In der Wanderkarte (nie wieder Kompass!) war der heutige Weg als dicker, gestrichelter roter Strich eingezeichnet. Also habe ich einen schmalen, aber gut zu gehenden Weg erwartet, vielleicht teilweise ausgesetzt - schließlich ging es ja den Kamm des Monte Baldo entlang - aber ohne größere Schwierigkeiten.
Zunächst stimmte es ja auch. Bis zur Bergstation der Bahn von Malcesine herauf war es nur schade, das es so neblig war. Nach der Station, wo wir ein frühes Mittagessen bekommen haben, war es schon schwieriger, den Weg zu finden, doch wir konnten jemanden fragen. Der Mann hat sich ein paarmal rückversichert, dass uns klar war, dass das Rifugio Chierego mindestens vier Wegstunden entfernt ist. Wahrscheinlich sind die Leute in dieser Gegend nur Tagestouristen gewöhnt.
Der Weg wurde dann immer anspruchsvoller, eine richtige Gratwanderung. Oft ging es auf Felsen zwischen Latschenkiefern hindurch. Es blieb den ganzen Tag neblig. Das war zum Einen natürlich schade, weil so das Panorama mit Etschtal zur Linken und Gardasee zur Rechten nicht sichtbar war. Andererseits weiß ich nicht, was meine Nerven auf Dauer dazu gesagt hätten, wenn ich immer hätte sehen können, wie tief der Sturz bei einem Fehltritt gehen würde. Besonders die eine Stelle, bei der man ein paar etwa DIN A4-große Felsvorsprünge als Tritte hatte und dazwischen genauso große Lücken, war mit dem großen Gepäck schon grenzwertig.

Wir sind dann erst kurz vor der Abenddämmerung am Ziel angekommen. Der Nebel war zwischenzeitlich so dicht geworden, dass man gerade noch die nächsten paar Meter Weg sehen konnte. Dann tauchte etwas aus dem Nebel auf, dass wie ein einsamer Kamin aussah. Erst als wir fast dagegen gestoßen sind, wurde sichtbar, dass der Kamin zu einem Haus gehört, dass dann zum Glück auch das gesuchte Rifugio war.
Außer uns waren noch vier ältere Herren aus Bozen zu Gast, mit denen wir uns nett unterhalten haben. Auch die Suppe war gut. Der Wirt hat aber gar nicht verstanden, dass wir statt eines zweiten Ganges noch eine Portion Suppe haben wollten...