
Der Aufbruch morgens von der Memminger Hütte hat uns stark an die Bilder von der Wallfahrt auf Japans heiligen Berg, den Fuji-san, erinnert: Eine lange Kette von Menschen zog sich zur Seescharte hoch.
Wir gehörten zu den langsameren und haben uns im Laufe des Tages mit einigen anderen Paaren und Familien gegenseitig überholt. An der Seescharte haben wir auch die Testosteronbolzen von gestern wieder getroffen, die unbedingt die Luft mit Zigarrenrauch und ihrem Geschwätz erfüllen mussten... aber sie sind früher abgestiegen als wir und es gab zum Glück auch nette Italiener, die uns fotografiert haben.
Insgesamt muss man auf dieser Etappe mehr als 2000 Höhenmeter absteigen, was für Knie und Füße eine Qual ist. Falls wir den Weg vom Lech- ins Inntal noch einmal gehen sollten, werden wir den Alternativweg über das Württemberger Haus ausprobieren. Dann ist zwar der Anmarsch von Madau aus länger, aber man überquert den Kamm der Lechtaler Alpen schon am Vortag und spart sich vor dem Abstieg nach Zams die ca. 300 Höhenmeter zur Seescharte und wieder herab. Der Weg ist außerdem etwas kürzer.
Eine nette Überraschung war, dass die obere Rossgumpenalm entgegen den Angaben im Internet doch bewirtschaftet war, mit Getränken und Brotzeit. Alles müssen die Wirtsleut' per Saumtier hochbringen, weil kein für Fahrzeuge tauglicher Weg von Zams herauf existiert.
Der Weg von den Lochalpen nach Zams ist beeindruckend. Um die guten Weidegründe dort zu erreichen, haben die Bauern in der Barockzeit einen Weg in die Felsen oberhalb des Zammer Lochs, einer Klamm, geschlagen. Er ist jetzt noch etwa 1,5 m bis 2 m breit im fast senkrechten Fels, mit einigen Kehren. Besonders dort, wo Wasser ihn entweder ausgewaschen oder Geröll darauf gespült hat, ist er psychisch anspruchsvoll, weil man eh' schon müde ist. Gegen Schluss, man sieht den Bahnhof von Landeck schon liegen, muss man nochmal ein paar Höhenmeter steigen, um dann in schmalen Geröllkehren nach Zams herunter zu kommen. Die letzten Meter vor dem Ort legt man auf den "Deckel" der Autobahn zurück. Wenn man sich umdreht, sieht man, warum man nochmal aufsteigen musste: Der Prallhang des Inns ist hier eine fast senkrechte Felswand, an der man nur oberhalb verobeikommt.

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