Zuerst ging es nach einem ausgiebigen Frühstück und vielen guten Wünschen zügig vorwärts, weiter auf dem HW4 Richtung Süden. Gegen 11:30 Uhr fing es an zu tröpfeln. Wir nahmen das zuerst nicht so ganz ernst und zogen nur die Regenjacken an, doch das war ein Fehler: bald waren die Beine ganz durchnässt. Eine verlassene Waldarbeiterhütte, die zum Glück nicht verschlossen war, hat uns gerettet. Wir konnten dort zu Mittag essen und uns trockene Kleider anziehen. Als es durch das undichte Dach zu tropfen anfing, sind wir gestärkt weitergezogen.
Der Weg war zum Glück gut bezeichnet, durch den dichten Wald auf dem Höhenzug hat man keine Fernsicht und kann sich sonst nicht orientieren. Nur an einer Stelle sind wir in die Irre gegangen: Dort, wo man rechts abbiegen müsste, ist am Baum ein Marienbild, das man wohl nicht durch ein Wegzeichen profanisieren wollte. Als wir bemerkt haben, dass wir mit Sicherheit falsch sind, waren wir schon einen Kilometer weiter. So sind wir statt der geplanten 25 etwa 27 Kilometer gelaufen...
Vor Erolzheim haben wir in einem Buswartehäuschen angerufen und im Kloster Bonlanden Bescheid gesagt, dass wir später als 18:00 Uhr eintreffen würden, was neben dem Regen und dem Umweg auch den ungenügend eingelaufenen Wanderschuhen von Mom geschuldet war. Von Erolzheim aus wollten wir eigentlich den direkten Weg im Tal nach Bonlanden nehmen, doch die direkte Straße war nicht zu finden, also sind wir doch dem HW4 den Hügel hinauf gefolgt.
Das sollte wohl so sein, denn die Marienkapelle auf dem Kapellenberg ist außergewöhnlich: Die bronzenen Eingangstüren sind modern, das Schiff gotisch mit gezimmerter, bemalter Decke und hölzernem Maßwerk. Auf der linken Seite steht ein spätgotischer Flügelaltar mit der Krönung Mariens, wie man sie sonst nur in Museen zu Gesicht bekommt. Rechts von diesem Altar ist ein Durchgang zu einem Querbau im Barok- oder Rokokostil mit einem wunderbaren Deckengemälde.
Beinahe das schönste war aber ein kleines Tischchen beim Ausgang mit Kaffee, Kuchen und Mineralwasser zur kostenlosen Stärkung der müden Pilger. Vergelt's Gott denen, die dafür sorgen.
Im Kloster kamen wir nass und hungrig an und wurden erst einmal verköstigt. Dann folgte noch eine schöne Überraschung: Man hat uns im Gästehaus für Pfarrer untergebracht, einem Jugendstilbau, der noch weitgehend original eingerichtet ist, mit behutsam integrierter moderner Sanitär- und Kücheneinrichtung. Wir haben uns wie Ehrengäste gefühlt.
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