Mittwoch, 11. Mai 2011

Detailplanung 2010

Hier gestaltete sich die Planung der Etappen wieder deutlich schwieriger, weil es ja keine Vorgaben durch einen Weitwanderweg gab. Einige Varianten mussten wieder verworfen werden, weil keine geeigneten Übernachtungsmöglichkeiten zu finden waren.

In den Brenta-Dolomiten und am Monte Baldo ist das Netz von Berghütten und Jausenstationen deutlich dünner als im Herzen der Alpen. Gut, in der Brenta gibt es noch einige, aber meist in der Nähe der beliebten Kletterstellen und untereinander nicht durch einfach zu gehende Bergpfade verbunden. Mit mehr als zehn Kilo Gepäck auf dem Rücken sind aber Kletterpartien nicht zu meistern. Häufiger als bewirtschaftete Hütten sind Biwakräume bei den Almhütten, aber für Leute wie uns, die nicht ihre ganze Verpflegung für mehrere Tage und warme Schlafsäcke tragen können, sind sie nicht nutzbar. Frühstück und Abendessen müssen wir am Übernachtungsort kaufen können.

Nach und nach kristallisierte sich eine Route heraus: Vom Etschtal über das Gampenjoch ins Nonstal/Val di Non, am Lago di Cles nach Tuenno, dort in die nördliche Brenta hinein, dann Abstieg zum Tovelsee, Durchquerund der südlichen Brenta und Abstieg nach Molveno, dann weiter nach Vezzano und durch das Sarche-Tal zum Nordende des Gardasees. Anschließend über den Kamm des Monte Baldo nach Süden, durch die Vorberge zur Etsch und die Etsch entlang Richtung Verona.

Mittwoch, 4. Mai 2011

2009 / 2010 Weitere Planung

Der E5 führt über Bozen und die Berge östlich des Etschtals weiter nach Verona. Das war auch unser nächstes Ziel, aber die Wegbeschreibungen in den Wanderführern waren doch eher abschreckend: Lange Etappen (bis 20 km) ohne Abkürzungsmöglichkeiten, manchmal die Warnung, dass es keine Möglichkeit gibt, tagsüber einzukehren oder Wasser aufzufüllen...

Da Sonny mit seinen 11 3/4 Jahren und kaum über 20 kg Gewicht im Sommer 2010 nur seine Kleidung und den Hüttenschlafsack tragen kann, Mom sowieso eher schwächere Kondition hat und Dad deshalb fast alle Lebensmittel und Getränke schleppen muss, kam das für uns so nicht in Frage.

Also haben wir nach Alternativen gesucht und eine Route durch die Brenta-Dolomiten und über den Monte Baldo ausgesucht. Wieder wurde das Internet stark genutzt, um Informationen über Hütten, Hotels und Pensionen zu bekommen. Wanderkarten und topographische Karten von Italien haben wir bei Karten Schrieb bekommen (www.karten-schrieb.de, gerade eben lese ich dort, dass es vom Sarche-Tal und vom Monte Baldo jetzt neue, hoffentlich bessere Karten gibt). Auf den Satellitenbildern von Google Maps habe ich überprüft, ob die eingezeichneten Wege auch exitieren.

Die Hütten auf dem Monte Baldo lassen sich zum Teil nur telefonisch beim Hüttenwirt reservieren. Ich habe eine italienische Freundin gebeten, dass für mich zu machen, denn mehr als radebrechen war bei mir Anfang 2010 auf italienisch noch nicht drin.

Dienstag, 3. Mai 2011

17.08.2009, Meraner Höhenweg II

Der östliche, Meran näher liegende Teil des Höhenwegs war einfacher zu gehen. Die Auswaschungen waren geringer, und an vielen Stellen sind Metalltreppen angebracht, um die Höhenunterschiede leichter bewältigen zu können. Hier ist es eher so, dass das Abwarten des Gegenverkehrs Zeit braucht.

Eigentlich hatten wir vorgehabt, bis Dorf Triol zu laufen, aber es wurde spät, und so sind wir schon mit der Seilbahn von der Leiteralm nach Algund gefahren und von dort aus zum Qartier in Schenna.

Diese Seilbahnen sind nur etwas für Schwindelfreie! Der obere Teil ist ein Korblift, das heißt, um einen Gitterrost als Boden ist aus Lochblech eine Art tallienhoher Käfig für zwei Personen gebaut, der wie ein Korb am Seil hängt.

Der untere Teil ist ein Sessellift, dessen Sessel wie Gartenstühle aussehen. Der kleine Schutzbügel vor dem Bauch ist nicht verschließbar, wenn man seinen Riesenrucksack auf den Schoß nehmen muss, man muss also ganz still sitzen bleiben...

16.08.2009, Meraner Höhenweg I

Auf den Wanderkarten und besonders auf der Panoramakarte sieht der Meraner Höhenweg sehr einfach zu laufen aus: Eine fast gerade Linie immer auf gleicher Höhe.

Aber die Seitenbäche der Etsch sind tief in das Gebirge eingeschnitten, und nur an wenigen Stellen sind Brücken. Meist muss man einige Dutzend Höhenmeter auf- oder absteigen, um sie queren zu können. Im Moment sind auch viele Wege teilweise ausgewaschen, die Trampelpfade der Wanderer sind mit dem schweren Gepäck nicht einfach zu begehen.

An einem der Höfe war die alte Kapelle vor nicht allzu langer Zeit als Franziskuskapelle neu ausgemalt worden, ein schönes Stück moderne Volkskunst. Den ausligenden Text des Sonnengesangs haben wir mit verteilten Stimmen gebetet. Leider haben wir kein Bild von dieser schönen Stelle, unsere Kamera hatte ihren Geist aufgegeben.

Ein schöner Trost für die Mühe sind die Stellen, an denen Wildbeeren in großen Mengen wachsen: Es ist selten, dass man sich an wilden Himbeeren satt essen kann und immer noch viel übrig ist!

Das Highlight für Sonny und Daddy heute war aber der kostenlose Tischkicker, der bei unserem Quartier, dem Gasthof Giggelberg, aufgestellt ist. Die beiden hatten einen Heidenspaß...

Montag, 2. Mai 2011

15.08.2009 Im oberen Schnalstal

Nach dem Abstieg von der Hütte haben wir uns auf dem Kirchweihfest von Unsere Liebe Frau eine Auszeit gegönnt. Die Dorfkapelle hat natürlich aufgespielt, das bemerkenswerteste Stück waren Variationen zu "Drei Chinesen mit dem Kontrabass", in allen Stilarten von Marsch über Samba bis Jazz.

Im Ort ist auch ein "Achäopark", ein Museum, in dem die Lebenswelt "Ötzis", der Gletscherleiche aus der späten Steinzeit, nachgestellt wird. Das haben wir uns gründlich angeschaut und auch das Skript zur Sonderausstellung über Textilherstellung in der Steinzeit gekauft.

Der Mensch hat schon vor Tausenden von Jahren die Umwelt verändert: Man konnte an Überresten von Bäumen aus Sümpfen nachweisen, dass durch die Beweidung mit Schafen schon in der Bronzezeit die Waldgrenze im Schnalstal von 2500 auf 2000 Meter gedrückt wurde!

Um rechtzeitig beim Quartier anzukommen, haben wir den Bus genommen und sind von Katharinaberg zum Untervernatschhof aufgestiegen. Hier kann man mehrmals pro Tag eine Zeitreise machen: Zimmer und Einrichtung sind aus dem 19. Jahrhundert, das Haus selbst noch älter, eine Treppenstufe hätte ich schon längst ersetzt... und die Sanitäranlagen neueste Technik des 21. Jahrhunderts!

Sonntag, 1. Mai 2011

14.08.2009, Similaunhütte


An diesem Tag wurde die heutige politische Grenze nach Italien überschritten. Kulturell ändert sich allerdings noch wenig, schließlich ist das hier immer noch das alte Tirol. Die erste Hütte wurde auch vor der Teilung Tirols errichtet und wird nach wie vor von einer Venter Familie bewirtschaftet.

Der erste Teil des Weges war eher langweilig, der kleinlastergängige Zufhrtsweg zur Martin-Busch-Hütte. Erst danach wurde es interessant. Der Weg führt auf dem ehemaligen Gletschergrund entlang und wird auf altehrwürdige Weise mit Steinmandln markiert. Bald bemerkten wir, dass viele der im Wasser liegenden Steine aus Glimmerschiefer waren und schauten nach Granaten. Daddy, der am wenigsten Konditions- und Motivationsprobleme hat, nutzte die zusätzliche Energie, um Granate zu suchen. Er fand ohne Mühe eine ganze Handvoll.

In der Similaunhütte hat sich ein buntes Völkchen eingefunden, mehrere Sprachen Europas sind zu hören. Den Vogel aber schießt eine Jugendgruppe, wohl hier aus der Gegend, ab: Ihre Mitglieder sprechen eine bunte Mischung aus Tiroler Deutsch, Italienisch und einer Sprache, die wohl Ladinisch sein muss, die alte romanische Sprache Südtirols.

Kurz vor dem Abendessen waren wir noch draußen und konnten etwas ganz besonderes sehen: Zwei Steinböcke haben sich auf den letzten sonnenbeschienenen Flächen niedergelassen und in aller Ruhe wieder gekäut.
Beim gemütlichen Zusammensitzen nach dem Abendessen wurde auch deutlich, warum man auf keinen Fall mit den Bergstiefeln in die Schlafräume im oberen Stockwerk darf: Auf einmal hing durch die Ritzen zwischen den Dielen ein Rucksackriemen herunter. Dreck könnte leicht denselben Weg nehmen - und auf den Tischen landen.

12.08.2009 Ruhetag in Sölden

Daughty wollte einen Stadtbummel in Sölden machen. Weil dies ja einer der meistbeworbenen Urlaubsorte Österreichs ist, haben wir eine Ansammlung kleiner Läden, Kneipen und Konditoreien erwartet, wie wir es aus anderen Orten kennen. Doch wir wurden enttäuscht. Mit Mühe haben wir ein Eiscafe gefunden, in dem wir etwas essen konnten. Sonny hat sich auf dem Riesentrampolin ausgetobt, sein Bewegungsdrang ist nicht zu stoppen.

Aber Läden haben wir vergebens gesucht, nur an der Bahnstation gab es ein Sportartikelgeschäft. Und geschlossene Bars und Nachtklubs gab es in Mengen. Sölden ist also offensichtlich für eine ganz andere Art von Touristen ausgelegt als uns...

Eine nette Begegnung hatten wir aber auf dem Weg zurück ins Hotel auf der Gaislachalm: Ein junger Mann und eine junge Frau in der typischen Kleidung orthodoxer Juden baten uns um Hilfe, weil eines der geliehenen Mountainbikes defekt war. Leider konnten wir nicht weiterhelfen, denn unser Mobiltelefon war im Hotel geblieben und die Räder waren ohne Werkzeug verliehen worden.

11.08.2009, Oberhalb von Sölden


Der Tag fing mit einem Mißklang an: Weil, anders als auf den anderen Hütten, kein Zeitlimit für das Frühstück angegeben war, haben wir uns Zeit gelassen, damit die Gruppen gemeinsam zuerst frühstücken konnten. Um fünf nach Acht wurden wir dann recht barsch darüber aufgeklärt, dass es eigentlich nur bis um Acht Frühstück gibt. Wir durften uns dann aber an den Resten bedienen. Entsprechend fiel das Frühstück dürftig und wenig stimmungsvoll aus.

Dann ging es hinaus ins Waschküchenwetter. Der Normalweg über das Pitztaler Jöchlwar durch Steinschlag verschüttet, die Alternative führte über das Rettenbachjoch. Wir haben uns entschieden, dort die Schwarze-Schneid-Bahn zu nehmen, statt auf dem Gletscher abwärts zu laufen. Während der Sesselliftfahrt sahen wir dann auch Leute, die auf dem Weg gewaltig ins Rutschen kamen.

Ab der Talstation war das Wetter dann angenehmer, allerdings waren so auch die gewaltigen Eingriffe sichtbar, die für den Skitourismus vorgenommen wurden. Zum Glück konnten wir bald rechts nach Süden abbiegen, um durch Latschenkiefer-, Alpenrosen- und Blaubeergebüsch oberhalb des Orts zur Geislachalm zu kommen.

Ob das auf dem Bild oben Früchte von Erika oder irgendwelche Gallen sind, haben wir allerdings nicht herausbekommen.

10.08.2009 Zur Braunschweiger Hütte


Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes, im Gegenteil waren für den Nachmittag Gewitter angekündigt. Also sind wir doch mit dem Bus bis Mittelberg gefahren, um auf jeden Fall zur Braunschweiger Hütte aufsteigen zu können.

Es wurde gerade gebaut und mit dem Hubschrauber Material nach oben transportiert, da haben wir gedacht, so lange der fliegt, können wir auch wandern!

So waren wir schon zum Mittagessen oben und hatten fast einen Ruhetag. Die Hütte war gut gefüllt und so war es abends gar nicht einfach, einen Platz zum Essen zu finden, zumal die Alpinschule Innsbruck gerade einen Kurs abhielt und den größten Teil der Tische für sich belegt hatte. Irgendwie ging es aber doch, und es war recht stimmungsvoll. Bei uns in der Stube war eine Gruppe junger Leute, von denen einige ähnlich verpflasterte Füße hatten wie Mom...

Die Gletscherwelt hier oben ist schon beeindruckend. Veteranen werden sicher sagen, dass es alles nur noch traurige Reste sind, aber für Leute wie uns, die Gletscher bisher nur aus der Theorie und von Ferne kannten, sind sie doch eine besondere Erfahrung. Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass Gletschereis grau ist und in der Senkrechten Haarnadelkurven beschreiben kann.

09.08.2009 Wenns - Eggenstall


Die heutige Etappe haben wir unseren Füßen zuliebe abgekürzt und den kostenlosen Gästebus durch's Pitztal genutzt. Zunächst aber sind wir durch die Pitzeschlucht und noch etwas weiter gewandert. Ausgeschilderte Wanderwege gibt es das Tal entlang zwar nicht, aber die Mountainbikerouten funktionieren genauso gut und sind nur von einzelnen Radlern befahren, so dass man als Wanderer kein Hindernis darstellt.

Gegen Ende der Schluchtwanderung gab es noch eine Schrecksekunde, weil Mom noch einmal ausgerutscht ist und sich, um nicht im Abgrund zu landen, mit beiden Fäusten voraus Richtung Hang geschmissen hat. Jetzt ist der Daumennagel blau.

Das Quartier ist in Eggenstall, wieder bei sehr freundlichen Leuten, in deren Heizungskeller wir unsere Wäsche trocknen dürfen. Wir hätten sogar Waschmaschine und Trockner benutzen dürfen, aber bei Socken und Shirts aus Wolle und Seide geht das halt nicht, da ist altmodische Handarbeit gefragt.

Im Gasthof zur Sonne haben wir bei hervorragender Bedienung preiswert und gut gegessen. Lustig fanden wir, dass es für den kleinen zweiten Durst ein Weizenbierglas in Größe 0,2l gab, es sah aus, als gehöre es zu einem Puppengeschirr.

08.08.2009 Zams - Wenns


Die lange, schwere Etappe des Vortags hat ihre Spuren hinerlassen. An Moms Fersen waren riesige Blasen unter der Hornhaut. Zum Glück gibt es Tape und Blasenpflaster.
Das Wetter war wolkig, deshalb haben wir nicht den "offiziellen" E5 über den Grat des Venetberges genommen, sondern sind auf der Höhe der Bergstation der Venetbahn südlich um den Berg herungelaufen. Das ist ein herrrlicher Weg über Almwiesen, durch Heide und Alpenrosen, der Untergrund ist häufig Glimmer.
Bei einem Hof haben wir Hunde gefunden, die ein paar Streicheleinheiten haben wollten, die wir natürlich gerne verteilen.

In einem schlammig-moorigen Teilstück ist Mom ausgerutscht, ihre Hose wurde bis auf die Unterhose durchnässt. Zum Glück war die nächste Hütte nicht weit, da konnte sie sich umziehen. Kurz vor Wenns fing es an zu regnen, das war aber nicht mehr schlimm.

Als Quartier hatten wir diesmal eine Ferienwohnung im Haus Elisabeth bei Familie Eiter. Eine besser ausgestattete Wohnung haben wir noch nirgends gesehen, und so freundliche Wirtsleute, die einem den Kaffe für's Frühstück schenken, sind auch selten.

Diese guten Begegnungen mit den Mitmenschen sind für uns mit das Schönste und Wichtigste beim Pilgern. Es geht uns darum, Land und Leute kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Später in Italien wird das wegen der Sprachbarriere schwieriger.