Sonntag, 12. Dezember 2010

07.08.2009 Durch die Seescharte nach Zams


Der Aufbruch morgens von der Memminger Hütte hat uns stark an die Bilder von der Wallfahrt auf Japans heiligen Berg, den Fuji-san, erinnert: Eine lange Kette von Menschen zog sich zur Seescharte hoch.
Wir gehörten zu den langsameren und haben uns im Laufe des Tages mit einigen anderen Paaren und Familien gegenseitig überholt. An der Seescharte haben wir auch die Testosteronbolzen von gestern wieder getroffen, die unbedingt die Luft mit Zigarrenrauch und ihrem Geschwätz erfüllen mussten... aber sie sind früher abgestiegen als wir und es gab zum Glück auch nette Italiener, die uns fotografiert haben.

Insgesamt muss man auf dieser Etappe mehr als 2000 Höhenmeter absteigen, was für Knie und Füße eine Qual ist. Falls wir den Weg vom Lech- ins Inntal noch einmal gehen sollten, werden wir den Alternativweg über das Württemberger Haus ausprobieren. Dann ist zwar der Anmarsch von Madau aus länger, aber man überquert den Kamm der Lechtaler Alpen schon am Vortag und spart sich vor dem Abstieg nach Zams die ca. 300 Höhenmeter zur Seescharte und wieder herab. Der Weg ist außerdem etwas kürzer.

Eine nette Überraschung war, dass die obere Rossgumpenalm entgegen den Angaben im Internet doch bewirtschaftet war, mit Getränken und Brotzeit. Alles müssen die Wirtsleut' per Saumtier hochbringen, weil kein für Fahrzeuge tauglicher Weg von Zams herauf existiert.

Der Weg von den Lochalpen nach Zams ist beeindruckend. Um die guten Weidegründe dort zu erreichen, haben die Bauern in der Barockzeit einen Weg in die Felsen oberhalb des Zammer Lochs, einer Klamm, geschlagen. Er ist jetzt noch etwa 1,5 m bis 2 m breit im fast senkrechten Fels, mit einigen Kehren. Besonders dort, wo Wasser ihn entweder ausgewaschen oder Geröll darauf gespült hat, ist er psychisch anspruchsvoll, weil man eh' schon müde ist. Gegen Schluss, man sieht den Bahnhof von Landeck schon liegen, muss man nochmal ein paar Höhenmeter steigen, um dann in schmalen Geröllkehren nach Zams herunter zu kommen. Die letzten Meter vor dem Ort legt man auf den "Deckel" der Autobahn zurück. Wenn man sich umdreht, sieht man, warum man nochmal aufsteigen musste: Der Prallhang des Inns ist hier eine fast senkrechte Felswand, an der man nur oberhalb verobeikommt.

06.08.2009 Zur Memminger Hütte


Oh je - heute morgen habe ich, Mom, der Familie Stress gemacht, weil ich unbedingt pünktlich zur Taxiabfahrt fertig sein wollte... und dann haben wir eine Viertelstunde auf sechs Testosteronbolzen warten müssen, die uns keines Blickes und Wortes gewürdigt haben (und jetzt auch nicht weiter gekommen sind als bis zu Hütte - ätsch bätsch!)

Wir sind nicht bis zur Materialseilbahn mit dem Taxi gefahren, sondern noch ein Stück gelaufen, damit wir nicht "aus dem Stand" steil hochlaufen müssen. Das ist insbesondere für Mom ein Problem. Ohne das schwere Gepäck waren wir in nur wenig mehr als den drei Stunden "Normalgehzeit" oben.

Ein entgegenkommender älterer Herr hat die Kinder gefragt, ob sie auf den Berg gehen "dürfen" oder "müssen". Nach kurzem Überlegen antwortete Daugthy "Dürfen!" Darauf kam die Antwort "Gut so! Sonst macht's keinen Spaß!"

Die Hütte liegt malerisch in einem großen Talkessel. Alles ringsherum ist Murmelland. Daughty hat es geschafft, zwei zu fotografieren.

05.08.09 Holzgau im Lechtal

Der heutige Weg war 15 km lang, mit 900 Höhenmetern bergauf und 800 bergab. Dass wir solche Strecken bisher nur mit leichterem Gepäck gelaufen sind, merken wir durchaus: Beine und Füße tun weh, und wir brauchten länger als üblich.

Es gab tatsächlich viele Wasserfälle am Weg, von leichtem Spray bis hin zu tosenden Fällen mit mehreren tausend Litern pro Sekunde. Das Wetter war aber herrlich, sonnig mit leichtem Wind, so dass man das spritzende Wasser als Erfrischung genießen konnte. Nur den Sonnenschutz hätten wir etwas ernster nehmen sollen. Die Ohrwascheln hatten alle eingecremt, aber nur Mom hatte sich (als empfindlichste) rundum geschützt. Die Gesichter der anderen sind etwas gerötet und Daughtys Arme auch.

Etwa bei der Passhöhe zweigt ein Fussweg ab zu einem kleinen Schrein (siehe Bild) an einer Stelle, auf der früher eine Marienkapelle stand: Seit 1665 sind Menschen über diesen Pass aus dem Lechtal nach Oberstdorf gegangen, um bei der wundertätigen Madonna Loretto zu beten.

Im Gasthof Bären sind wir freundlich empfangen und gut verköstigt worden. Auch das Taxi ins Madautal ist schon organisiert.

04.08.09: Spielmannsau

Dies ist der Anreisetag zur Alpenüberquerung. Wir halten uns an den europäischen Fernwanderweg E5, bzw. die gelbe Via Alpina, weil der gut dokumentiert ist uns wir uns unserer Fähigkeiten nicht ganz sicher sind. Allerdings haben wir die Etappen anders eingeteilt als in den Reiseführern und im Internet beschrieben, es gibt zum Glück genügend Möglichkeiten, die Etappen zu verkürzen. So werden wir nicht, wie bei den von den Bergführern organisierten Touren, fünf Tage unterwegs sein, sondern 13, und einen Ruhetag nach einer Woche haben wir auch vorgesehen. Wie im vorigen Jahr sind alle Unterkünfte per Internet vorbestellt.

Der Anreisetag besteht aus zwei Teilen: der Zugfahrt mit dem Quer-durchs-Land-Ticket in Regionalzügen und den wenigen km Fußmarsch zur Spielmannsau. Hier haben wir uns für das Lager entschieden, auch um die Hüttenschlafsäcke auszuprobieren. Wir sind zu fünft im Sechs-Personen-Lager, unser Mitbewohner ist aus der Gegenrichtung gekommen und hat uns empfohlen, morgen die Regensachen griffbereit zu haben, da es viele Wasserfälle am Weg gibt.

Sonntag, 7. November 2010

28.08.2008: Hinein in die Alpen

Sonthofen-Oberstdorf ist nach soviel Übung nur eine Halbtageswanderung, deshalb haben wir es ruhig angehen lassen. In einem Eisenwarengeschäft in Sonthofen sind wir mit den Inhabern ins Gespräch gekommen, weil Daddy und Sonny sich über die verschiedenen vor dem Laden ausgestellten Sensenmodelle unterhalten haben.
Hier haben wir uns auch die einzigen Souvenirs gekauft: Eine kleine Schelle für Daughty, über die uns die Ladenbesitzer erzählte, dass sie in Gegenden, in denen Bären leben, als Warnung: "Hier kommen Menschen" genutzt wird. Bären meiden im allgemeinen die Menschen. Sonny bekam das kleine Vorhängeschloss, das er schon immer haben wollte.
Bei Fischen gab es eine Möglichkeit, an die Iller heranzukommen, und wir haben sie zum Rasten und Spielen genutzt. Daddy und Daughty wollten sogar ausprobieren, wer es länger im kalten Wasser aushält. Der Wettbewerb endete unentschieden, weil Mom wegen der Zeit auf das Weitergehen drängte.
Hier im südlichsten Teil des Illertals sind wir wesentlich mehr Menschen begegnet als in den letzten Tagen, allerdings nach wie vor nur in einem Radius von wenigen hundert Metern um Orte, Gasthöfe oder den Illertalradweg herum. Es ist auch deutlich zu sehen, dass hier nicht mehr die Landwirtschaft, sondern der Tourismus die Haupterwerbsquelle der Einheimischen ist. Die Höfe und Weiden sind mehr auf fast pittoreskes Aussehen als auf Effektivität ausgelegt.
Richtig lachen mussten wir, als wir im Oberstdorfer Talkessel angekommen sind. Da sind doch tatsächlich Aussichtsbänke am Weg nicht wie üblich nebeneinander, sondern hintereinander angeordnet, als ob Kinder Bus spielen wollten! Erst später wurde uns klar, warum: Bis hierher kommen auch Wintergäste, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, auf ihren Spaziergängen.

27.08.2008: Kurs auf Sonthofen

Zuerst ging es noch ein wenig durch die sanften Hügel, die für das Allgäu so typisch sind. Kurz vor Immenstadt sind wir wieder auf den Illertalweg gestoßen und diesem gefolgt. Highlight dieses Tages waren die Baggerseen zwischen Immenstadt und Blaichach. Einer wird als Badesee benutzt, auf dem anderen gibt es eine Wasserski- und Wakeboardanlage. Es hat Spaß gemacht, sich am Kiosk zu verköstigen und den Wasserakrobaten zuzuschauen.
Es gab auch ein gutes Maß dafür, wie weit man an einem Tag zu Fuß kommt. Der Grünten tauchte am Morgen aus dem Nebel auf, kurz bevor wir losmarschiert sind. Im Laufe des Tages haben wir ihn umrundet, und das, ohne uns groß anzustrengen!

26.08.2008: Ein Stück durchs Allgäu

Erster Halt an diesem Tag war Altusried, für ein ausgiebiges zweites Frühstück. Das Wetter war uns weiterhin hold, und so war es angenehm, in den Hügeln und Tälern des Allgäus unseren Weg zu finden. Etwas erschwert wurde es nur dadurch, dass sich die Kartenmacher (das bayerische Vermessungsamt) und die Ersteller der Wegweiser (die lokalen Fremdenverkehrsämter) nicht immer darüber einig waren, welche Flurnamen sie angeben. Trotzdem sind wir ohne größere Umwege dort angekommen, wo wir hinwollten.
Dass mit Kempten eine größere, wohlhabende Stadt in der Nähe ist, haben wir in Wiggensbach beim Mittagessen gemerkt. In anderen ähnlich großen Orten auf unserer Wanderung hatten wir oft Mühe, auch nur einen Gasthof zu finden, in dem wir zu Mittag essen konnten. Hier waren gleich vier, die alle gleich anregend aussahen und gutes Essen zum fairen Preis anboten.
Durch Wälder und Ried, teilweise eine frühere Bahnstrecke entlang, ging es weiter nach Süden bis nach Memhölz. Das Angebot der Wirtsleute, uns unterwegs abzuholen, haben wir trotz müder Beine nach mehr als 30km nicht angenommen, denn es war wegen der unklaren Flurnamen schwierig, einen Treffpunkt auszumachen, zumal wir überwiegend auf für Autos gesperrten Wegen unterwegs waren.

25.08.2008: Im Illerwinkel

Morgens mussten wir uns als erstes mit Proviant versorgen, denn die nächte Übernachtung sollte in einer einsam gelegenen Ferienwohnung ohne Verpflegung sein.
An diesem Tag waren die Navigationskünste gefragt. Kein Weitwanderweg führt in unsere Richtung, uns so musste Mom die Karten intensiv studieren und aus Fußwegen und landwirtschaftlichen Wegen eine Route zusammenstellen. Das ging auch ohne Verlaufen gut. Hinter dem Aitracher Illerkraftwerk liegt verstekt ein Fußweg den Stausee entlang, später ging es durch Wiesen und Felder Richtung Illerbreuren. Im Bauernhofmuseum haben wir sehr gut gegessen.
Vom Illerdurchbruch haben wir nicht viel gesehen, auf unserer Seite war die Bewaldung sehr dicht - teilweise geschützter Urwald - und nur ab und zu kam man bis zum Steilufer hin. Dort war die Aussicht dann aber überwältigend.
Die ersten Vorboten der nahen Alpen waren zu sehen: Klebriger Salbei, blauer Eisenhut und Kolkraben.
Alles in allem sind wir die meiste Zeit allein in idyllischer Landschaft, mit viel Zeit, miteinander zu reden. Es sei denn, die Pfade sind so schmal, dass man nur hintereinander gehen kann, aber das ist meist nur kurze Zeit am Stück so. An diesem Tag war es auch gut, dass mehrere Asphaltstrecken dabei waren, denn so konnten Moms Füße sich in Trekkingsandalen mit dicken Strümpfen erholen.

24.08.2008: Ein kurzes Stück

Die Nacht diente neben der Ruhe dazu, unsere Sachen wieder trocken zu bekommen. Sonnys Schuhe wurden trotz Wechsel der alten Zeitungen mitten in der Nacht mit Mühe und Not trocken genug, dass er sie mit frischen Socken wirder anziehen konnte.
Die Sonne schien an diesem Sonntagmorgen so, als ob sie sich nie hinter Wolken verstecken würde... Nach dem Frühstück gingen wir zum Gottesdienst in die Kirche. Weil das Kloster höher am Hang liegt als die Kirche, geht man aus dem Refektorium in den Kirchturm und dort eine Wendeltreppe hinunter, und hinunter, und hinunter...
Wegen Moms schmerzender Füße sind wir nicht wie geplant über Rot an der Rot weitergelaufen, sondern im Tal geblieben, haben die landwirtschaftlichen Wege genutzt bis zur Iller und sind ihr bis Aitrach gefolgt.

23.08.2008: Das Wetter ist gegen uns

Zuerst ging es nach einem ausgiebigen Frühstück und vielen guten Wünschen zügig vorwärts, weiter auf dem HW4 Richtung Süden. Gegen 11:30 Uhr fing es an zu tröpfeln. Wir nahmen das zuerst nicht so ganz ernst und zogen nur die Regenjacken an, doch das war ein Fehler: bald waren die Beine ganz durchnässt. Eine verlassene Waldarbeiterhütte, die zum Glück nicht verschlossen war, hat uns gerettet. Wir konnten dort zu Mittag essen und uns trockene Kleider anziehen. Als es durch das undichte Dach zu tropfen anfing, sind wir gestärkt weitergezogen.
Der Weg war zum Glück gut bezeichnet, durch den dichten Wald auf dem Höhenzug hat man keine Fernsicht und kann sich sonst nicht orientieren. Nur an einer Stelle sind wir in die Irre gegangen: Dort, wo man rechts abbiegen müsste, ist am Baum ein Marienbild, das man wohl nicht durch ein Wegzeichen profanisieren wollte. Als wir bemerkt haben, dass wir mit Sicherheit falsch sind, waren wir schon einen Kilometer weiter. So sind wir statt der geplanten 25 etwa 27 Kilometer gelaufen...
Vor Erolzheim haben wir in einem Buswartehäuschen angerufen und im Kloster Bonlanden Bescheid gesagt, dass wir später als 18:00 Uhr eintreffen würden, was neben dem Regen und dem Umweg auch den ungenügend eingelaufenen Wanderschuhen von Mom geschuldet war. Von Erolzheim aus wollten wir eigentlich den direkten Weg im Tal nach Bonlanden nehmen, doch die direkte Straße war nicht zu finden, also sind wir doch dem HW4 den Hügel hinauf gefolgt.
Das sollte wohl so sein, denn die Marienkapelle auf dem Kapellenberg ist außergewöhnlich: Die bronzenen Eingangstüren sind modern, das Schiff gotisch mit gezimmerter, bemalter Decke und hölzernem Maßwerk. Auf der linken Seite steht ein spätgotischer Flügelaltar mit der Krönung Mariens, wie man sie sonst nur in Museen zu Gesicht bekommt. Rechts von diesem Altar ist ein Durchgang zu einem Querbau im Barok- oder Rokokostil mit einem wunderbaren Deckengemälde.
Beinahe das schönste war aber ein kleines Tischchen beim Ausgang mit Kaffee, Kuchen und Mineralwasser zur kostenlosen Stärkung der müden Pilger. Vergelt's Gott denen, die dafür sorgen.
Im Kloster kamen wir nass und hungrig an und wurden erst einmal verköstigt. Dann folgte noch eine schöne Überraschung: Man hat uns im Gästehaus für Pfarrer untergebracht, einem Jugendstilbau, der noch weitgehend original eingerichtet ist, mit behutsam integrierter moderner Sanitär- und Kücheneinrichtung. Wir haben uns wie Ehrengäste gefühlt.

22.08.2008: Es wird ernst

Mit einer sehr müden Tochter sind wir morgens um acht Uhr aufgebrochen: sie hatte zum Geburtstag den 5. Band Harry Potter geschenkt bekommen und bis ein Uhr nachts gelesen.
Wir sind mit dem Baden-Württemberg-Ticket nach Ulm gefahren und hatten gar nicht bemerkt, dass es erst ab 9 Uhr gilt. Zum Glück hat es der Zugbegleiter bei einer grummeligen Ermahnung belassen. Beim Umsteigen in Aalen habe ich noch schnell Fahrkarten bis Heidenheim gelöst, wo wir kurz nach neun Uhr durchfahren sollten. In Ulm sind wir mit dem Bus nach Wiblingen gefahren und haben uns dort in einer Bäckerei ein zweites Frühstück gegönnt.
Wie so oft war es etwas schwierig, den richtigen Weg aus dem Ort heraus zu finden, doch bald waren wir glücklich auf dem Weg am linken Illerufer entlang. Der Illerradweg ist auf der anderen Flussseite, und so konnten wir gemütlich loslaufen, ohne auf Radfahrer achten zu müssen. Statt dessen haben wir uns darüber amüsiert, dass wir laut Karte mal in Baden-Württemberg, mal in Bayern unterwegs waren. Vermutlich ist die Grenze vor Urzeiten mal als die Mitte des Illerbetts definiert worden, und nach der Begradigung und Kanalisierung des Flusses ist sie halt mal hier, mal dort.
Gegen Mittag ging es steil hinauf nach Oberkirchberg, einem alt Fuggerschen Besitz mit schönen barocken Bauten. Danach blieb der Wanderweg (HW4 des Schwäbischen Albvereins) auf der Hochfläche.
Ende August sind die Felder zum größten Teil abgeerntet (leider auch manchmal frisch gülle-gedüngt), einmal haben wir sogar frische Wintersaat gesehen. Der Weg ging zum Teil über Feldraine (herrlich für Daddys Barfüße), die nach diesem für die Vegetation perfekten, feuchtwarmen Sommer manchmal kniehoch grasbewachsen waren. Daughty nutze jede Pause für ein kurzes Nickerchen, im Gras, auf einer Bank... es war ja zum Glück trockenes Wetter.
Schon um 16:30 Uhr sind wir im Kloster Brandenburg angekommen und wurden herzlich empfangen. Die Zimmer sind schön und sauber, das Essen reichliche Hausmannskost, wie man sie auch zuhause als Abendbrot machen würde. Wir waren mit den anderen Hausgästen an einem Tisch.
Die Komplet haben wir mitgefeiert und uns noch mit den Schwestern unterhalten, bevor es ins Bett ging.

Donnerstag, 11. März 2010

Ulm-Oberstdorf

Für die Sommerferien stand nun eine einwöchige Tour an. Mit Hilfe der 1:50 000er Freizeitkarten der Landesvermessungsämter Baden-Württemberg und Bayern (im Buchhandel erhältlich) wurden die Tagesetappen geplant, die Entfernungen mit der Fadenmethode abgeschätzt. Dann ging es daran, über's Internet Übernachtungsmöglichkeiten zu finden über die Webseiten der Gemeinden oder Fremdenverkehrsämter. Wo genau die Etappen begannen und endeten, hing vor allem davon ab, wo es Pensionen, Gasthöfe oder Privatvermieter gab, die bereit waren, vier Personen eine Nacht zu beherbergen. Das Zeichen "Kloster" der Karten verhalf uns zu zwei sehr schönen Übernachtungen...

Westerstetten-Ulm, 27.07.2008

Die Albhochfläche wird intensiv landschaftlich genutzt, es war schön, zwischen den erntereifen Feldern zu wandern. Erinnerungen an frühere Zeiten waren ab und an zu sehen: Ein Lagerplatz für Ablesesteine zum Beispiel. Bevor es schwere Traktoren gab, wurden die Steine, die beim Pflügen aufgewühlt wurden, zu diesen besonderen Stellen gebracht und bilden dort heute brombeer- überwucherte kleine Hügel.
Ein landschaftliches Highlight waren zwei Trockentäler, die nach diesem feuchten Frühsommer voller duftender Kräuter und Schmetterlinge waren. Wir haben drei Verkehrsadern gekreuzt, die wir schon oft benutzt haben: Die ICE-Strecke Stuttgart-München, die B10 Geislingen-Ulm und die A8 Stuttgart-München. Es war seltsam, so allein zu wandern, während vor allem auf der Autobahn dichter Verkehr herrschte. Uns hat von denen wahrscheinlich niemand bemerkt.
Es war gar nicht einfach, ein Mittagessen zu bekommen. In den meisten Dörfern haben die alten Gesthäuser aufgegeben, wohl mangels Umsatz. Nur eine Sportlergaststätte hatte auf, so dass wir Standardgerichte essen konnten.
Beim letzen Aufstieg nach Ulm verschwand Sonny mit seinen 1.30m fast vollständig im hohen Gras- und Kräuterbewuchs des Trampelpfads. Etwas später stand mitten im Wald ein Verteilerkasten und darauf ein Aufkleber als Wegweiser eines Jakobswegs. Weil wir in Nord-Süd-Richtung unterwegs sind, kreuzen wir einige dieser alten Pilgerpfade, die ja in Ost-West-Richtung führen.
Vom Oberen Eselsberg sind wir mit dem Bus zum Ulmer Bahnhof gefahren. Nach 21km waren wir rechtschaffen müde und wollten unsere Füße nicht auf dem Stadtasphalt plattlaufen. Im Bahnhof waren die Menschenmassen wie ein Schock. Irgendwie kommt mir das Ulmer Bahnhofsgebäude immer viel zu klein für die vielen Reisenden vor.

Erste Übernachtung: 26./27.07.2008

Von der Albhochfläche aus kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut nach Hause, dashalb haben wir im Internet eine übernachtungsmöglichkeit gesucht und uns für den Gasthof Adler in Westerstetten entschieden. Der Zug nach Geislingen war voller Ausflügler, aber schon auf der Überführung über die Gleise Richtung Burg Helfenstein waren wir fast alleine. Die Rucksäcke waren schwerer als bei den ersten beiden Etappen, Schlafanzug und Waschzeug haben auch ihr Gewicht.
Die Burg Helfenstein wird uns sicher einmal wiedersehen, sie liegt schön, bietet Klettermöglichkeiten für die Kinder und eine ganze Menge seltener Blumen für die Mama.
Es ist gar nicht so einfach, von Geislingen wegzukommen. Die Täler sind tief eingeschnitten, man muss weite Strecken laufen und sieht im Tal doch immer nur die Stadt. Endlich kommt man die Steige entlang weiter, und der Aussichtspunkt, von dem aus die Fotos der Züge gemacht werden, ist ein "Muss", wenn man einen Eisenbahnfan als Sohn hat...
Bald darauf kommt Amstetten-Bahnhof. Kurz vorher, in Ziegelhütte, gab es ein zünftiges Vesper mit Gratis-Aussicht auf die Bahnstrecke.
Durch Amstetten durchzulaufen war nicht so schön, denn der Tag war sonnig und warm, was das Asphalt-Treten noch unangenehmer macht. Zudem fing Moms Rucksack an zu quietschen. Pa meinte nur: "Hauptsache, er bellt nicht!" In dem Moment ging hinter der nächsten Hecke ein lautes Gebell los.
Auf unserer weiteren Wanderung ist "Hauptsache, er bellt nicht" die Standardantwort auf alle Klagen über die Ausrüstung geworden...
Kurz hinter Amstetten begann es in der Ferne zu grummeln. Wir waren nicht ausgesetzt, konnten dem Gewitter also gelassen entgegensehen. Pa und die Kinder entschlossen sich, die T-Shirts aus- statt die Regenjacken anzuziehen, weil es so warm war. Der Regen, der uns kurz vor Lonsee einholte, hatte dann aber überraschend große und kalte Tropfen, vermutlich war es gerade erst geschmolzener Hagel.
Als der Schauer vorbei war, haben sich die Kinder umgezogen, und wir konnten nach einer kurzen Rast weiterwandern. Gegen Ende der Rast fragte Dottie "Was kann ich noch essen?" und Sonny rief unmittelbar danach: "Da sind zwei Schwäne!" Was haben wir gelacht!
Müde, satt und zufrieden haben wir in Westerstetten übernachtet und zogen am nächsten Morgen frohgemut weiter.